Es gibt Bücher, die bleiben. „Trau dich, kleiner Pinguin“ von Steve Smallman (liebe Grüße!) gehört für mich genau in diese Kategorie. Ich habe die Geschichte schon einmal in meiner Pinguinklasse umgesetzt – damals ganz anders: Der Hintergrund entstand als Schwungübung, wir haben die Wellen in großen, fließenden Bewegungen gestaltet. Das war eine tolle Verbindung aus Schreibenlernen, Motorik und Kunst.
Ich finde dieses Bilderbuch nicht nur wegen der wunderschönen Bilder, sondern auch inhaltlich richtig toll, weil es ein Thema trifft, das viele Kinder (und ehrlich gesagt auch Erwachsene) kennen: Angst haben – und trotzdem einen Schritt nach vorn wagen. Pippa ist kein „Superhelden-Pinguin“, sondern eher vorsichtig, schnell verunsichert und besonders in der Dunkelheit nicht gerade mutig. Gerade deshalb ist sie so nahbar.
Als ihr Freund Percy plötzlich verschwindet, wächst Pippa über sich hinaus. Ohne große Heldensprüche, sondern Schritt für Schritt. Das Buch zeigt dabei wunderschön: Mut heißt nicht, keine Angst zu haben – Mut heißt, sich trotz Angst auf den Weg zu machen.
Die Geschichte ist warm, spannend genug für Kinder, ohne zu überfordern, und die Illustrationen sind liebevoll und einladend. Für mich ist es ein echtes Vorlesebuch mit Mehrwert: Es stärkt, macht Hoffnung und bietet viele Anknüpfungspunkte zum Gespräch über Gefühle, Freundschaft und Selbstvertrauen. Ein Lieblingsbuch – gerade für Kinder, die manchmal noch ein bisschen Anlauf brauchen, um sich etwas zuzutrauen.
Dieses Mal wollte ich das Buch noch einmal neu aufgreifen – mit einem anderen Schwerpunkt: Winter, Eis und Struktur. Und so wurde aus dem Bilderbuchkino eine kleine 4-stündige Kunstreihe, die den Kindern viele Möglichkeiten zum Ausprobieren gegeben hat.
Das Projekt: Winterbilder auf DIN A3
Material
- Papier DIN A3
- Wasserfarben, Pinsel, Wasserbecher
- Salz (für Frosteffekte)
- Deckweiß (zum Auftupfen von Schnee/Eis)
- Wattestäbchen / Pinsel
- Pinguin-Vorlage als Kopie
- Buntstifte (für Details & Schatten)
- Schere, Klebestift
1. Stunde: Bilderbuchkino & genau hinschauen
Wir starten mit dem Bilderbuchkino und schauen uns die Illustrationen ganz bewusst an:
- Welche Farben machen „kalt“?
- Wie sieht Eis aus?
- Und die Frage, die uns später beim Gestalten geholfen hat:
Wie sieht der Schatten im Buch aus?
Wo ist es dunkler, wo heller? Was macht den Pinguin „rund“?
2. Stunde: Hintergrund mit Wasserfarbe & Salz
Dann ging’s an die großen Flächen auf DIN A3. Die Kinder haben in verschiedenen Blautönen gemalt, viel Wasser genutzt und die Farben ineinander laufen lassen.
Solange die Farbe noch feucht war, wurde Salz gestreut – und genau da passiert dieses kleine Kunstwunder:
Das Salz zieht Pigmente an und hinterlässt eisige Strukturen, die an Frost, Schneesturm oder gefrorenes Wasser erinnern.
3. Stunde: Schneeberge mit Deckweiß auftupfen
Als der Hintergrund trocken war, kam der Schnee dazu: Deckweiß auftupfen statt malen.
Mit Wattestäbchen oder einem Pinsel entstehen ganz automatisch Strukturen – wie kleine Schneekristalle. Die Kinder haben daraus Schneeflächen, Eisberge oder Eisschollen gemacht. Und plötzlich bekam der Hintergrund „Tiefe“.
4. Stunde: Pinguine gestalten, Schatten entdecken, ausschneiden & aufkleben
Zum Schluss kamen die Pinguine als Kopie dazu. So konnten wir uns auf das konzentrieren, was im Buch so gut zu sehen ist:
Der Schatten macht den Unterschied.
Wir haben noch einmal gemeinsam ins Buch geschaut:
- Wo ist der Pinguin dunkler?
- Wo ist die Kante, wo fällt das Licht?
- Wie wirken Bauch und Flügel dadurch plastischer?
Dann wurde gestaltet, ausgeschnitten und aufgeklebt – und jedes Bild entwickelte seine eigene kleine Szene. Mal sah es nach „Pinguin-Abenteuer“ aus, mal nach „Pinguin im Schneesturm“, mal nach „Pinguin ganz mutig vornweg“.
Warum ich solche Projekte liebe
Ich mag es, wenn Kunst in Klasse 1 nicht nur „schön“ ist, sondern richtig viel kann:
Zuhören, genau hinschauen, ausprobieren, staunen, gestalten – und am Ende etwas in den Händen halten, das wirklich wirkt.
Und ja: Dieses Buch ist einfach ein Dauerbrenner. Beim nächsten Mal nehme ich vielleicht wieder die Wellen-Schwungübung dazu – denn beides passt wunderbar: einmal Meer in Bewegung, einmal Winter in Frostoptik.

















